Text des Tages

WAGNER IN JERUSALEM

Aus dem Russischen von Daniel Jurjew

Scharfe Klauen hat der tumbe Richard Wagner
In der flammenden Wiege über der Gehenna:
Der süße Qualm verbrannten Abfalls
Räuchert die gierigen Nüstern,
Der Lärm, durcheinandergebracht, das Rauschen,
Geglättet von tönendem Augenblick der Stille,
Plumpst wie ein Vogel in den Schlund.

Überm Davidstor flog der leise Wagner,
Überm Herodestor lachte er polternd
Mit dem wilden Gogol, brodelte, ein Klebeschatten,
Im gelblichten Zwielicht überm Jaffator,
Und gleitete überm Neuen, dem außer der Reihe
Gebauten, mit grauem Kaiser deutscher Lande.

Überm Damaskustor verbog er sich
In Wendemanövern, und beim Löwentor
Stieg er plötzlich in den Dampf unter'm Mond
Empor, gleich einer Kornweihe.

Überm Goldenen, dem versiegelten,
Flog er hin, den Blick vernebelnd,
Überm Misttor bog er ab, und ab
Nach Hause, zum brennenden Abfall,
Zur tönenden Kriegesstille über der unsichtbaren
Gehenna.

So kreist er schon ein Jahrhundert gut –
Links wie rechts, wohin man schaut, ein Jud.

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