Fixpoetry

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Text des Tages

WIEDER DEZEMBER

für Jelena Schwarz 

Ein sanfter Dezember tritt ein auf den Zehenspitzen,
Tannenbäume stehn eingezäunt: in Mengen einbeinige Bräute.
Im Sud der Sterne, im sülzenen, planscht ein Jemand, wer weiß,
Wer da oben schwimmt, die Unmöglichkeit, ihn zu sehen, frißt am Herzen wie
                                                                                                                                                      Rost.
 
In den schmucken Krippen fand die unglückliche Familie Zuflucht.
Weit ist es noch bis Ägypten, durch diesen Schnee, durch den Matsch,
Allerdings ist dort auch nicht viel Gutes, zum Weinen ist es
(wie sich alles in den zweitausend Jahren verändert hat!), kaut man die warme
                                                                                                                        Krume der Fremde.
 
Die rotwangigen Frauen klauben das kalte Kleingeld heraus,
Der Glasbläser dreht die durchsichtige Kugel am Ende der Pfeife,
Ein flacher Engel, mit der Schwinge gehängt an den Tannenbaum, fliegt und
                                                                                          bläst auf der goldenen Schalmei,
Unter den Füßen schlagen die Purpurflecken des Glühweins durchs Eis.
 
Der Hahn auf der Turmspitze ist heisergeworden, doch schreit er weiter seine
                                                                                                                          unhörbare Kunde.
Die Zeit ist nicht gänzlich erstarrt, sie dehnt sich zum Bindestrich aus.
Da zappelt ein Waschbär putzig mit den Pfoten in der Schießbude.
Da wühlt ein Penner im freigiebigen Weihnachtsmüll.
Vieles noch ist zu sehn in der gläsernen Kugel,
Die gleich fällt, es sei denn, es fängt sie wer auf im Dezember.

 

Aus dem Russischen von Elke Erb

 

 

 

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