Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

COSMIC WEB

Ich folge einer Spur.
Sie ist aus Strandgut und Algen.
Dann stehe ich vor einem Haus.
Es ist weiß und strahlt Kühle aus
(es könnte aus Schnee sein).

Innen ist es ganz leer – leerer als leer –
ein weißes Nichts.

Ich spüre ein Vakuum,
das sich auch meiner bemächtigt.

Ich muss etwas denken –
in diesen Raum hinein, damit er sich füllt.

Und ich denke diesen Gedanken.

Ich sehe eine Liege, Kabel und Aufzeichnungsgeräte.
Das ist ein Schlaflabor. Hier liege ich –
und lausche den Klängen einer roten Uhr.

Meine Augen sind geschlossen.
Langsam lasse ich Wasser wachsen –
wie eine Säule steigt es auf –
bis es die Satelliten berührt –
dann auch die Sterne.

Ich spüre die Wechselströme
zwischen Wasser und Orion.
Auch ist da eine planetarische Spannung –
sie geht von den Eisriesen aus - Uranus und Neptun.

Ich öffne die Augen und blicke hinüber zur Uhr.
Ihr Ziffernblatt ist verschwunden.
Dort, wo es war, erscheint jetzt eine Leuchtschrift.

Und ich lese: LOST IN SPACE

Aus: Wanderung im Holozän, edition fza, Wien 2019

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