Fixpoetry

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Text des Tages

credo

insprinc haptbandun invar vigandun: ich glaube an blüten zweige verästelungen an vielfarbiges grün an das wispernde licht in der kathedrale von chartres ich glaube an den blitz an den donner ich glaube im frühjahr an die dröhnende magie der magnolienknospen an den lautlosen laubfall im herbst an rhizome an wucherungen windungen an gefälteltes an labyrinthe auch an synapsen an epiphanien glaube ich an den blutigen schmerz der transformation an die verlässlichkeit der schmetterlinge der fliegen ich glaube an katharsis an die kraft der fäulnis an gärung an schimmel oder an intrinsische motivation an die unzerstörbarkeit der begierde und auch an das heilige kreuzbein an die beckenschaufeln die rippenbögen an alle knochen im weißgehungerten leib an zwielichtiges fleisch an feuer und asche und flut an die angst an katalysatoren glaube ich an signaturen an formeln an bann worte wortketten und an im weihwasser ertrunkene narren an davon geflossene namen an schrift zeichen ich glaube an tanz pestilenz krieg und wahn ohne sinn an klingende wunden an stümpfe und stummel und abgeschnittene zungen an zangen an stammelnde ohne balsam gebrannte ohne salben noch binden noch lindern ich glaube an runen raunen an silben sybillen an profetie an beschwörung an spells ich glaube an suggestion an aufgaben astgabeln buchstaben an verästelungen blüten licht zweige

Aus: STILL magazin #4, 2016

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