Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

HELDEN DER ARBEIT | #2

Die Dame vom Gesundheitsamt.

Der Spender mit Desinfektionsmittel in ihrem Büro ist stets gut gefüllt. Für die Dame vom Gesundheitsamt, Abteilung Gesundheitsmanagement und Seuchenschutz, beginnt die moderne Zivilisation nicht mit der Erfindung des Rads, sondern mit regelmäßigem Händewaschen und -desinfizieren.

Pest und Cholera, die Ärzteschaft hinter Schnabelmasken verborgen, Leichenberge in allen Gassen und des Mönchs Schutz bloß ein Vaterunser vor dem Gang zu den Siechen. Was hätte alles verhindert werden können.

Sie ist eine Frau von Plan und Dimension, aber auch eine von Überzeugungen. Ihr Blick geht hinaus auf den beinahe leeren Parkplatz und in die Straßen der Stadt, wohin sich nur mehr vereinzelte Passanten wagen und alle mit Mundschutz. Ein neues Virus geht um und tötet die Alten und die Schwachen. Wochen nur bleiben ihr, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen oder unterzugehen. Sie denkt das nicht wie eine kommunale Beamte, sondern wie ein Feldherr angesichts der feindlichen Armeen.

Mit Bedacht desinfiziert sich die Dame vom Gesundheitsamt die Hände bis in die Fingerzwischenräume. Gleich ist Pressekonferenz mit dem Bürgermeister und dem Klinikdirektor. Sie greift sich die Ausdrucke mit den aktuellen Fallzahlen, die Einweghandschuhe und den Mundschutz und wagt einen Vorstoß, MIR NACH!

Eine mutigere Streiterin für das Menschenwohl hat die Welt nicht gesehen. Ihren Namen hier zu nennen ist darum gut und richtig. Sie heißt Frau Müller, man wird sich ihrer erinnern.

 

bisher unveröffentlicht

Mehr Bilder und Texte