Fixpoetry

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Text des Tages

ICH BETRACHTE DAS BRAUTKLEID

Die wrubelsche Schwanenprinzessin schnappt, an den Flügeln aufgehängt,
In meinem Kleiderschrank auf dem Bügel nach Luft.
Gleich Weidenblättern fallen die Federn aufs Ufer.
Bist du nicht mein abkühlender Stern?
Bin ich nicht dein Astronom?

Schaue nicht ich auf dich, die du ausweißt?
Mit weißen Blutkörperchen ist dein Saum bestickt.
Mit schwarzen Blutkörperchen bestickt ist dein Kragen.
Immerzu schau ich dich an, Schwan, du Stern mein. Allen sag ich: später.
Alles auf später. Ich schaue jetzt meinen Stern an, den Schwan.
Wie er verschwindet und raschelt.

Nicht einmal in einem goldenen Käfig.
In meinem stinkenden Schrank.
Nicht einmal in einem Glassarg –
In meinem stinkenden Schrank.
Voller Erwartung der Zeit, da ich mit ihr verschmelze.
Wie in Erwartung des Minotaurus', des Einhorns, der Schelmin de Merteuil.

In meinem Kleiderschrank … Was?
Kuckuck!
Warte mit Trübsal! Vorbei unser Ende.
Die Stunde des Flackerns der Feuer liegt vor uns.
Feuerwerksbüsche mitschurinscher Höhe
Fließen dann auseinander – durch Schwarz, durch Lila
(Wie Blok es liebte).
Dann werfen wir den Kopf zurück und sagen:
OH JA!

Doch schaut der Bräutigam in mein Gesicht
Sagt
Vergiss ihn
                    Vergiss sie
                                         Vergiss die anderen

Vergiss und vergiss
Und komm her und komm her

Übersetzung: Daniel Jurjew. Erschienen in: Grand Tour / Reisen durch die junge Lyrik Europas, herausgeben von Frederico Italiano und Jan Wagner, Hanser Verlag München 2019

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