Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

instinto

quando acordei do incêndio, no desespero só salvei
os nomes de alguns atores pornô
pacotes de queijo ralado
um cubo fofo de palavras milagrosas
um número de likes no facebook e uma lista de tarefas
feitas pela metade, metas
alcançadas de comunhão social

lembro de um mal-estar os trovões uma preguiça
no entanto um bicho ferrenho ainda lutava
ainda abria todos os olhos calcava
as pernas contra o colchão molhado
ainda arrancava os pelos brancos com uma pinça
no espelho
mesmo chorando de frio
alguma coisa ainda tinha fome
na boca um pedaço de carne grande demais
um longo gemido querendo dizer ao mesmo tempo
“foda-se”, “socorro” e “obrigado”.

*

instinct

when i woke up from the fire, in despair i only saved
the names of a few porn actors
packs of grated cheese
a fluffy cube of miraculous words
a bunch of facebook likes and a half-done
to-do list, my interpersonal togetherness
upkeep goals
 
i remember a malaise the thunder a laziness
but a steely beast was still struggling
still opened every eye stuck its
legs against the wet mattress
still plucked its white hairs with tweezers
in the mirror
even weeping from the cold
something was still hungry
in its mouth a piece of meat way too big
a long moan meaning all at once
“fuck it”, “help”, and “thanks”

English version: Chris Daniels

*

instinkt

als ich aus dem brand erwachte, rettete ich in meiner verzweiflung
nur die namen von ein paar porno-schauspielern
packungen geriebenen käse
einen weichen würfel wundersame worte
eine anzahl likes auf facebook und eine zur hälfte
abgearbeitete aufgabenliste, erreichte ziele
für den sozialen zusammenhalt

ich erinnere mich an ein unwohlsein, donner, trägheit
ein stures biest kämpfte noch weiter
riss noch immer alle augen auf, strampelte
mit den beinen auf der nassen matratze
riss sich noch immer die weißen haare aus, mit einer pinzette
vor dem spiegel
obwohl es vor kälte weinte
irgend etwas hatte noch hunger
im mund ein zu großes stück fleisch
ein langes wimmern, das gleichzeitig heißen sollte
„scheiß drauf“, „hilfe“ und „danke“.

Deutsche Fassung: Christiane Quandt

ULF - Unabhängige Lesereihen Festival

ARTICHOKE
Heute Abend - Freitag, 20.00 – 21.30 Uhr | Roter Salon
Internationale Lese- und Publikationsreihe aus Berlin

Für diese artiCHOKE-Ausgabe haben wir Lieblinge aus vergangenen Veranstaltungen darum gebeten, mit uns auf Tour zu kommen. Wir freuen uns sehr, dass Rafael Mantovani (artiCHOKE #14, BR/DE), Lütfiye Güzel (artiCHOKE #15, DE), Samuel Solomon (artiCHOKE, #12) und Charlotte Warsen (artiCHOKE #2, DE) wieder dabei sind! Wie immer gibt es ein veranstaltungsbegleitendes Heft mit Übersetzungen und kritischen Einleitungen. Gelesen wird (mindestens) auf Portugiesisch, Deutsch und Englisch.

Die Lese- und Publikationsreihe artiCHOKE gibt es seit 2015. Idealerweise findet sie vier Mal im Jahr statt. „Kuratiert“ wurde sie bisher von Charlotte Thießen, Joel Scott und Andrea Garcés. Bei artiCHOKE treffen sich LyrikerInnen aus deutsch- und anderssprachigen Kontexten, deren Schnittpunkte Diskussion und Austausch versprechen. Zu jeder Veranstaltung erscheint ein Booklet mit exemplarischen Arbeiten, einer kurzen kritischen Einführung und Übersetzungen ins Englische und Deutsche.
Lesung in portugiesischer, deutscher und englischer Sprache 
Mehr zur Lesereihe

Gäste: Lütfiye Güzel, Rafael Mantovani, Samuel Solomon, Charlotte Warsen
Team: Charlotte Thießen, Joel Scott, Andrea Garcés

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Das Festival findet statt im Z-Bau in Nürnberg:
Frankenstrasse 200
90461 Nürnberg

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