Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

Die Kasse, la cassa, la caisse… usw.

 

Vor der Kasse ist die Freiheit am größten.
Alle, nahezu alle, was auch immer sie tun,
träumen, planen, vergessen usw., alle, alle
stehen ab 5 bis 105 vor Kassen. Hinter
ihnen die stille Welt der Dinge, grell bunt,
der Markt, der Supermarkt, der
Hypermarché. Hinter ihnen die
Fertigungsstraßen, die endlosen mit
Düngemitteln und Insektiziden
vollgepumpten Äcker, die keine Äcker
mehr sind, sondern erdige
Fertigungsstraßen, die abgeholzten
Wälder, die getöteten Urwaldriesen,
ermordeten Menschen indigener Stämme,
die Tiere und Pflanzen, die es nur noch
auf Roten Listen gibt, hinter der Kasse,
hinter den Märkten, hinter jedem von uns.
Irgendwo am Körper tragen wir den
Fetisch mit uns, der uns mit unserer
Auswahl von Waren, mit der wir unser
Leben erhalten, Tag für Tag erlaubt, die
unsichtbare Grenze an der Kasse passieren
zu können. Der Passierschein besteht aus
Anteilen unseres Vorrats an Einheiten des
Fetischs, den wir Geld nennen und der
nichts anderes ist als die absolute Ware,
die wir unsererseits erhalten, indem wir
beträchtliche Anteile unserer Lebenszeit
anderen zur mehr oder minder freien
Verfügung überlassen.
Klar sind solche Sätze Instant-Marxismus
oder etwa nicht?

 

Mehr Bilder und Texte