Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

auf Herz und Nieren, Louise.

[an eine Ungeborene]

auf Barbora gingen wir wieder an Board
die Planken wurden eingezogen
und deine Gestalt
entglitt der verwelkten Depression,
die hinter uns zu liegen schien
in einem Land – wo man grün nicht zu vollenden wusste.
Blätterreigen in weiß-grünen Schlieren
wachelten zum Abschied – eines gabst du mir in die Brusttasche;
in meinem Hemd bildeten sich Kondenstropfen,
die sich über das Blatt unverbunden zu stapeln wussten –
[der Tropendschungel spross]
und darunter schlug mein Herz
es bebte // die Erde über ihr
und wollte sie brechen.
Am Rumpf schlugen die Wellen,
die das Schiff im offenen Meer durchschnitt,
auf
und brandete meilenweit später am Riff –
gegen Gestein und das Salz,
es schärfte die Spitzen
[irgendwann wird es auch uns beide treffen]
Amors Pfeil
und die Wunde würde tief in die Erde ragen
es würde sich fluten und schreien
wie die Stimme der Ungeborenen –
denen wir Namen gaben.
Louise, wir halten dich fest im Arm
und du spürst unseren Kreislauf
wenn wir dir Herz und Nieren an die Ohren hängen –
golden und anatomisch korrekt,
sie sollten dich einen
[ein Transplantat – alles was wir geben mussten]
für den Liebesbeweis zweier Menschen.
Damals aber war es uns nicht vergönnt;
etwas war der Trennung vorausgegangen
die Unvernunft, die uns kittete,
war spröde geworden
und die Risse – zu weites Land.
Als die Landungsplanken ausgeworfen waren,
hattest du ein Ende gefunden, Louise
und wir waren wieder in dem Land
vor deiner Zeit.

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