Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

dorfmitte oder die möglichkeit einer linde

kurz vor dem ortsschild endet die flur. ich geh
nicht zurück und käme ich nur unter schmerzen
zum ausgang unter kämpfen ans tor wo das
spritzenhaus stand wo mein ich sich verlor

zwischen streuobst und kälbern. in gräben und
staub in häusern aus seufzern unter blicken
aus laub ich kenne nicht einen und weiß doch
genau was hier zu tragen ist vergraben im grau

eines abends der immer nur schläfern gehört
wenn das drehn und sich wenden die gedanken
nicht stört wo die mitte verbaut ist und die linde
längst fehlt wo ein brunnen nicht tief ist und

nicht von worten beseelt. kurz hinterm ortsschild
beginnt die tortur mein ort kann nicht hier sein
und hätte ich nur ein mickriges pflänzchen das
die erinnerung fasst meine linde hätte die mitte
verpasst

Erschienen in Geister, Röhrig Univeristätsverlag 2020

Mehr Bilder und Texte