Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

Frieda Paris sitzt auf einem Stein und liest

Nicht Höhen- und nicht Tiefenrausch
setzt Dich in die Schräge. Horizon-
Tal und Vertikale umkiefern Deine Knöchel.
In Gegenrichtung
zur Weitsichtbarkeit der Steppe
richtest Fransen, bietest Dein Anblicken
der Landschaft, Disteln und Trauben
zur Blütenlese an. Wind kommt auf,
malst ihn aus gegen den Strich, richtest Fransen
und Aussicht gewinnt Tiefenschärfe.
Deine Stirn zieht Fäden, Längengrade
zu bemessen an Deinen Sätzen, die den Stein
anschlagen und nach Innen öffnen

Dort ein Tasten
spielt seine poröse Küste an.
Alles Hand und daran Echo werden.
Misst ihm keine Schwere bei, nur
sein spezifisches Gewicht –; ziehst
in Windungen, wäschst Schwerkraft
in Schneckenhäuser ein, lässt nicht
aussanden aus dem Hören.

Im Gespräch mit Dir
hält sich der Stein mir stumm.
Hältst sein Wort in Silben, die sich weigern aufzufliegen
von deinem Rock.
Wirfst Falten auf das Land. – Bäume schilfen,
wollen schmiegen sich
an Deine Wendungen.
Schlägst sie in den Wind. Meine Augen wiegen nichts
was nicht in Deinen aufgewogen.

Als rhythmisch Dich entflichst
abblätternd von der Landschaft
bleib ich aus

Nachsatz:
Im Jahresablauf rundest
meine Hände zu einer Kastanie auf
und ich höre, wie durch Verminderung
sich der Stein als Intervall zu Dir ergänzt
zu vielsprachig und von Echo ausgeleuchtet
bist wie Rom.

In abweichender Fassung erstveröffentlicht in KOLIK 75

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