Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

Frg. 1 Voigt

Unsterbliche Aphrodite auf dem bunten Thron
Tochter des Zeus, listenreiche, ich bitte dich:
nicht mit Sorgen und Kummer bedränge
Herrin, mein Herz.
Sondern komm her, wenn du schon einmal von anderswo
mein Rufen gehört hast von fern,
deines Vaters Haus verlassen,
das goldene, und kamst;
den Wagen hattest du angespannt, schöne Spatzen
zogen dich über die schwarze Erde,
flatterten heftig mit den Flügeln, vom Himmel herab
durch die Mitte des Äthers
kamen sie schnell. Du, Selige,
lächeltest mit unsterblichem Antlitz und
fragtest, was ich schon wieder habe, warum ich
schon wieder rufe,
und was ich mir am meisten wünsche, dass es geschehe,
mit rasendem Herzen: "Welche soll ich überreden?
... in Freundschaft mit dir? Welche,
Sappho, tut dir etwas Böses?
Und wenn sie dich auch flieht, bald wird sie dich verfolgen,
wenn sie deine Geschenke nicht nimmt, bald wird sie welche machen,
wenn sie nicht liebt, wird sie bald lieben,
auch wenn sie nicht will."
Komm auch jetzt zu mir, aus der schweren
Sorge erlöse mich, was auch immer mein Herz wünscht,
dass es mir geschehe, vollende es, du selbst
sei meine Kampfgenossin

Übersetzung: Dirk-Uwe Hansen

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