Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

PROMETHEUS DENKEN

I

einmal denke ich dich als frau. denke dich vor. denke dich vor alles andere. vor den beginn der welt. zum beispiel. oder vor meine stirn, vors augengebirge. im gehirn aber: felsen, geklüftet. lappengrau, so eine landschaft in falten. mein ich. trage ich ab, schaffe leere, einöden. oden ans nichts. dazwischen: sehbahnen. einfall von licht. ein gefälle.

II

verfallen. denke ich. denke dich weiter, denke dich weg. vom felsen, vom adler, von deiner leber. verharre kurz beim glanz dieses organs. verortung eines körpers, teilstück. lappen und falten, auch hier, landschaften, die inneren. gekröse. lasse ich auf der zunge zergehen. sammle jetzt wörter. binde sie in sätze, zu sprachbändern zwischen uns.

III

ziehe dich durch die zeit. zeichne auf: gespräche, unverdaut. helle anfänge sind das. weiß nicht, von was. kaue an deinem namen, habe zähes im mund. bin mensch, aber was bist du? frage weiter, denke dich zu mir. deine gestalt, angelegt ins große. titanin. in meiner hand: samen, dünn gekornt. angelegt aufs wachsen. zukunft, vielleicht.

IV

licht kriecht übern berg, durchs hirn. ein zärtlichkeitsbad. vergangenheit sitzt dort. der mythos. auserzählt. längst. ausgewachsen die samen ins unermessliche. gelbe fasern, trockene rohre. daraus: nicht zu zähmendes kraut, spröde. leicht zu entzünden. und zorn, der aus allen ecken lodert. nur nicht aus dir. aus dir lodert sprache: unverbraucht, roh.

Erscheint in Kalmenzone 7/2019

Mehr Bilder und Texte