Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

wie viele leben könntest du unterschreiben

aller möglichen die du täglich ersinnst
im kopf oder im zugriff auf das dir nächste ding

du könntest eine abhandlung vorlegen zum beuteschema
des raubvogels im einundzwanzigsten jahrhundert

deinen rausschmiss erwirken
durch arbeitsverweigerung aufgrund niederer triebe

beipackzettel horten im bewusstsein der dichtung
als unumstößliche vorletzte gewissheit

für einen moment verirrt in den händen
einer hausfrau gelbe herzen schälen

* Die Stadtverwaltung von Liverpool will zehn Raubvogelattrappen montieren, um die Tauben aus dem Stadtzentrum der Kulturhauptstadt 2008 zu vertreiben. Die Roboter-Vögel sind dem Wanderfalken nachempfunden. Sie sollen die Tauben durch Bewegungen der Flügel und durch Geräuschimitationen erschrecken. Ein Bordcomputer steuert die Aktionen der sogenannten Robops, die den Tauben auch mit ihrer Größe Angst einflößen sollen: sie sind etwa vier Zentimeter größer als echte Wanderfalken.
Wenig Erfolgschancen für das Projekt sieht die Falknerin Sylvia Bente, die selbst mit Raubvögeln zur Taubenbekämpfung im Einsatz ist. "Raubvogelattrappen und Tonbänder mit typischen Lauten reichen nicht aus, um Tauben nachhaltig zu vertreiben. Die Robotervögel werden die Tauben nur zu Beginn erschrecken, denn die Tiere gewöhnen sich schnell an die Attrappen," sagt Bente. Weitaus erfolgversprechender ist für Bente der Zugang der Falknerei Reichsburg-Cochem : Mit echten Raubvögeln wird gezielt auf unerwünschte Stadtvögel Jagd gemacht. Dass die Methode Erfolg hat, zeigt die Zufriedenheit der Aufraggeber, die meist schon alle gängigen Bekämpfungsmaßnahmen ausprobiert haben. "Die Tauben werden von unseren Falken angejagt und damit unter Druck gesetzt. Immer wieder werden auch Tiere erlegt", sagt Bente. Wie schnell der Einsatz der Jäger zum erwünschten Effekt führt, hängt von der Lage des Zielgebiets und der große der Taubenpopulation ab. "Meist reicht es, wenn wir mit unseren Vögeln einmal pro Woche Präsenz zeigen. Nach durchschnittlich drei Monaten ist die Zahl der Tauben deutlich zurückgegangen", sagt Bente.
Liverpool setzt neben den Roboter-Raubvögeln auf eine weitere Maßnahme zur Taubenbekämpfung: Eine gezielte Aufklärungskampagne soll die Bevölkerung von einer aktiven oder passiven Taubenfütterung abbringen. "Wir müssen den Menschen klar machen, dass jeder, der Tauben füttert oder Essensreste einfach auf Bänken oder Straßen zurücklässt, direkt zur Steigerung der Taubenpopulation beiträgt", sagt Berni Turner, Umweltbeauftragte des Liverpooler Stadtrats. Nach dem Motto "Kein Futter - Keine Tauben" rüstet sich Liverpool für den Auftritt als Europäische Kulturhauptstadt 2008 und zielt außerdem auf eine Reduktion der Reinigungskosten ab. Jährlich investiert die Stadt 235.000 Euro in die Beseitigung von Taubenkot.  (weltonline, 22.märz 2007)

Mehr Bilder und Texte des Tages