Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

LXIX.1

Eine große Perle als Tür,                                                        
Gold hat die Hure mit der Braut gemein
und Steine, rot die eine, weiß die andere
(Scharlach und Purpur),
trinken Wein aus dem Zornesbecher,
in Juxtaposition
die Machthandlungen des Textes,
es vollziehen sich die Gegenstände,
(nicht trennen, nicht vermischen),
ein Fleisch aus Ziegeln,
aus blutigem Innen,
es pulst der Stoff,
da beehren die Frauen
eingemauert im Textbau die Lade,
die Stimmen gerichtet,
Wut ist flüssig,
sie wird gegossen
als Miasma oder Sphäre
des Tuns im Ergehen
eines Zusammenhangs
von  Taumel und Trost.
Babel spricht:
Niemand sieht mich‘
und sie erblicken ihre Scham
in der Tonne: der Blick
von oben in den Wald
mit ausgestochenen Augen.

  • 1. Der lyrische Zyklus besteht aus 69 Texten.

[aus: Entlang der lebendigen Linie. Sexophismen, Wien: Passagen 2010]

BESPRECHUNG: Swantje Lichtensteins poetische Reflexionen zum Thema „Geschlecht“

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