Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

Verstockt

Ziehe mit widdern-Fell, um gegen Kälte zu schützen, gegen
Mutter und Vater.
Sie erlangen/bodigen mich mit pfiffig Blicken, tippn meine
Verlegenheit mittig:
bin immer Krümel Kind, wenn ich Gaben empfang.

Wein zottig + leis, verbitt glatt Whiskey + Wimpern:
nimmermehr will ich Geschenke!

Habe Ahnen/Chimären (lallten enned Piz Edda), zuweilen
scheint alles
einer anderen Ordnung anzugehören als mir, geckt + gockt:
ich kann Löchern nur mit schmuddlig Gewimmel begegnen.

Auch heute beim Aufstehen/Ankleiden moddrig:
Hoffnung, dass Umstände nicht an Bedeutung gewinnen.
Oder verlieren.

Die Überfälle, die ich ertrage, nicht wahr?
die forschen + nahen Gesichter, die nennen + kennen.

Elend verfolge ich unsere zähen Gespräche, zzgl. zickn +
heddern + paddln.
Auch heute werde ich traurig zu Bett gehen.

Liebe durchfalten können. Durch die Kälte
die sich einstellt, wenn ich dich verletz («sudden-death trip»).
So zierlich sagt niemand «ma chère».
Heut noch tue ich mich schwer damit, beständig
zu sein, spannend, daran zu glauben, dass es sich wiederholt.
Wenn ich tyrannisch bin, + sanddornzittern zeig, + Schlenker
mache:
siehs nach, manchmal kann ich nicht fort.

136 Vor nicht langer Zeit brachte ich Verschiedenes mit, und
wollts verteilen.
Es bleibt aber alles, wos ist. Verkettungen halten mich ab,
Prognosen.
Wie kann es sein, dass man erst etwas tun muss
(wie: «etwas versorgen»), damit etwas anderes möglich wird?

Kraft ordnen ist z.Z. diffizil, habe letzt Einwaende bereit:
sollte ich gehen, spriesst Eifer dicht + netzt
in x-beliebige Richtung (wie: wenn Haushalt, dann hier).

Wünscht: Will volkommen unerschütterlich sein
hingegen: pfiff schnoddrig.

(Anagramm zu Friederike Mayröckers excelsior-Passage in
études, S. 46)

ORIGINAL FRIEDERIKE MAYRÖCKER
(aus: „études“, 2013, S. 46)

excelsior = der erhabene Weg, hatte ich nicht babydoll-
Kleidchen getragen. Einreiszen den Himmel
(Verschwiegenheit) etwas an dir Diskretion: rechtes
Ohrläppchen linkes Ohr: flammend/flennend habe geweint
– nicht mehr sprechen wollend in Gesellschaft nicht mehr
sprechen könnend, Verschwiegenheit, kalte Wimpern ........
bin ich nicht, da ich ein Kind war, mit Schlittschuhen, und
Mutter frierend hinter der Einfassung des Eislaufplatzes und
mich mit schützenden Blicken etc., eingerissener Sattel: mit
niemandem mehr sich zu sprechen getrauen, niemandem
mehr begegnen können, Arvo Pärt mit Engelstimmen den
hl. Geist anrufend durch brüllend anlocken, ach Welt von
Staub: diese Krümel von LURCH in der Bettstatt („das ist ein
Überfall“: von Gedicht zu Prosa, nicht wahr) ........ und hatten
wir nicht, als wir zu lieben anfingen unsere Handschriften
ausgetauscht nämlich einander angeglichen, das grosze „Z“
z.B., bebuscht/und Waldesdickicht, und hatten sie nicht,
Grosztanten, häufig von „lisière“ gesprochen?
und Kälte empfindend (bei 33 Grad), liegend Kälte
empfindend weil (zu öffentlich Whiskey) weil allzu
bannend die Lektüre, nicht den Augenblick Zeit findend
sich zuzudecken, möchte von meiner Vergangenheit
loskommen, oh dasz ich mich weigere zu sprechen zu
erläutern Anweisungen zu geben branches = Zweige: mit dem
Finger weisen: dort, dorthin!, weil man nicht erklären will/
kann, weil die Worte nicht kommen: einhergleiten, weil sie
VERSTOCKT sind nicht wahr, ich meine man wünscht sich
dasz alle uns auch ohne Worte begreifen, man verweigert:
verschweigt sich
++++++++++ er hatte damals gefragt: ist Verlangen grosz?
bin nicht gesellig, Ende

Aus: HAB DEN DER DIE DAS
Der Königin der Poesie
Friederike Mayröcker zum 90. Geburtstag, Edition Art Science, Wien 2014

Wir danken Tabea Xenia Magyar und Erika Kronabitter für die Kooperation!

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