Text des Tages

dass ich erblinde bemerkte ich erst
als es mir nicht mehr gelang
deinen atem zu sehen
in deinen erinnerungen
mich wiederzufinden
aus den spiegeln
an denen du vorbeigingst zu lesen
auch das flüstern deines schattens
ließ sich auf einmal nicht mehr übersetzen
dafür ertappte ich mich
immer wieder beim versuch
den sinn deiner sommersprossen
entschlüsseln zu wollen
oder den ursprung
deiner lebenslinien
mit meinen fingern zu erforschen
jedes noch so feine haar deines körpers
mit meiner zunge zu umkreisen
eine heimliche spur
aus küssen zu legen
um mich in deiner nähe
nicht wieder zu verirren

Aus: an der schwelle zum harz, Mitteldeutscher Verlag 2014

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