Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

permafrost

ich zupfte alles unkraut
aus dem herzen.
schon wuchs es nach,
die wurzel nicht zu packen –
im traum zwei dutzend klafter tief.

darin gleich sieben kinder
aus angefaulten brüsten soffen
den meeresschaum der vorwelt
zeitenmutter.

halb riesin, halb nur aufgeschwemmt
hielt sie für ein märchenwesen mich
in ihrer dreizehnten persönlichkeit.

verschlammt die tränen
auf den rauen wangen –
sie presste drei der kinder fester
und schüttete mir ihre ängste
wie einen eimer wasser aus.

und fragte nach dem weg
ins hinterland, dem kürzesten,
wo fische noch den flussverlauf bestimmen,
wo himmel unterm nacktem fuß beginnt,
wo feuer nimmer maßvoll niederbrennt.

ich zuckte mit den durchgefrornen schultern,
derweil der sommer sich zum nächsten neigte
und dohlen ziellos überm boden kreisten.

dann zog sie mich zurück aus den gedanken,
dem dickicht und dem unterholz.
weil alles schmölze, sprach sie ungefragt,
zuerst das eis und nicht zuletzt das licht,
dazwischen ihre kinder, alle sieben.

hier sei's zu spät längst, hauchte kalt ihr atem.
die kinder blieben nur dem hunger treu.
vergeblich festzuhalten an strukturen.
und uhrensand verdunkelte die spuren.

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