Fixpoetry

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Text des Tages

Nadeldieb Nadeldieb sing

In den Schatten der Diele
(es ist Nacht)
bewegen sich kleinere Monster.
Du hörst sie flüstern,
über das Klappern von Kniegelenken,
über knackende, über krachende Fingerknöchel.
Über einen König, mit einer
glitzernden Krone aus Salz und Teer.

Jenseits des Gartens
donnert das Meer wie ein Würfel.
Über deinem Bett geht die Sonne auf;
Tau perlt von deinen Wangen,
Tau verwebt in deinen Brauen.

"Mein Junger Freund",
langhälsig und schuppig,
funkelnd wie Pailletten voller Sterne,
der Teersalzgekrönte,
Zähne wie Schornsteine
und langsame Schritte,
weich ganz weich,
triefend über Gräser,
triefend durch Moos.

Buchfinken strecken, zwitschern aus Regalen.
"Mein Lieber, Mein Junger"
und seine ringlosen Hände,
Zementschuppen, graugrauschwarz
und violett, Finger, Treibholzhände
auf, greifend in die Decke.
"Freund."
Die Büsche voller Kohlmeisen.
Man ruft sich die Kehlen wund.

Unmerklich rutscht,
ihm entgegen.
Moderflecken,
der Schimmer von
spanischem Gold,
kalt, frisch wie der
Morgen, wie die Funken,
letzten Funken der Venus
auf deiner Haut.
 
Vater Mutter sehen nicht.
Kind und der König.
Und die Wunder
der Springfluten,
bis in die Nacht hinein.

"Die Korallen werden Dich atmen lassen.
Das Seegras ist weich,
und sieh,
wie es das Mondlicht filtert.
Schweinswale singen hier.
Und unter dem Licht
der Leuchtquallen
schwebst du schwerelos,
lesend,
dein Haar wolkig,
sanft gewiegt."

Aus: TEERSALZGEKRÖNT, mückenschwein Verlag 2016

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