Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

SECHSTER ACHTER

Sonntags arbeite ich überkopf
und versuche, mich an die Kindheit zu erinnern,
indem ich die Arme in die Höhe strecke,

bis mir schwindelt und das Blut in den Händen stockt:
unter mir fließen in Rinnsalen die Farben
der Sixtinischen Kapelle auf den Schlachthoffliesen ab.

Ich erinnere mich an den kondensierten Fahrtwind
an den Fenstern des liegengebliebenen Zuges.
An die transparenten Hockgräber der Großraumbüros.

Zirruswolken über den Baggerseen:
der Chor der Gerber und Färber.
Ich erinnere mich. Ich erinnere mich nicht.

Meine Sonntage sind gestrandete Wale:
riesige Lesesäle ohne Licht. Trotzdem glänzt alles
vom heruntergeschluckten Schmuck.

In der Nacht zu Montag erscheint unter mir die Stadt
während eines Nachtfluges mit Fensterplatz.
Ich schaue hinauf und sehe, wie ich herabschaue:

Ich sitze am Küchentisch und lese,
was ich schreibe. Das Alphabet flackert.
Der Tran fackelt ab.

unveröffentlicht

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