Fixpoetry

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Text des Tages

(weihnachtssestinchen)

ein hirsch thront mit verästetem geweih
im dickicht unter einer tanne
sein bein auf vermoostem stein
blickt durch dichten lichtes wald
in häusern zitternd bunte zimmer
mangelwesen in roter sehnsucht

begierde hier sehnsucht
königskrone ward geweih
leere im zierde zimmer
raum war welt und tanne
wohnen wald
schutz bot der stein

natur verdrängt durch stein auf stein
mangel ruft die sehnsucht
entfernt der stämme wald
frisuren wie hüte sublimieren geweih
duft von erde moos und tanne
verloren im zynismus zimmer

kerzen und wesen rennen durch zimmer
riesen päckchen verzweifelt wie stein
wein läuft zwischen gläsern zur tanne
in windringel voll trunkener sehnsucht
bei ihr zu sein, des hirsches geweih
als besteck dient und wieder kehrt der wald

christmas bringt den wald
ursprungszeit ins zuflucht zimmer
menschen und kirchen sind /nicht/ geweih/t
einst eins mit natur die verloren im stein
zurück zum waldboden zielt sehnsucht
klima war mensch und welt war tanne

zurück ins draußen zurück zur tanne
der kreislauf der wiederkehr wähnt wald
nach holz, nach fell, nach feuer die sehnsucht
entflieh'n: dem todestrieb im zauder zimmer
in höhlen getrieben aus künstlichem stein
wie kunst hängt kopflos das geweih

bist nur geweih/t, mensch du singendes tier, die tanne: der tote
wald im raum aus stein, herztränen des unbewussten, anamnesis des
                                                                                                         urgeruchs,
feuer im züngelnden zimmer, in sehnsucht weihnachten höhlenmensch sein

 

Aus: zitronen der macht, hochroth wien 2014

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