Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

hautstille | im gegenlicht

für Friederike Mayröcker 2014

regenschirme treiben vorbei das leben
zahlt sich aus tage wabern
im sommerlicht wie algenteppiche
oder wasserlinsen im mäander
auf einem berg stand ich sagen wir
besser an einem abhang und
sagen wir der berg war parnass
und ich stürzte fiel in ein
thrakisches meer

am himmel kraniche oder silberreiher
helle vögel
vogelmenschen im gleißenden licht

du einsam in einer zwischenwelt ich
in einem zwischenmeer stumm
beobachteten wir einander

pan abseits spielte
auf einer knochenflöte
die gesänge von hühnern und gänsen

singschwäne zogen heran
schlafmohnlieder im gefieder
und in den schnäbeln eine goldene kette

alabaster
zylindrische farben* sagst du
und ein hotelzimmer in wien

* aus Friederike Mayröcker: drei Traumwahrheiten oder: kein Wort mehr über Träume (Gedicht, in Friederike Mayröcker: Winterglück, Suhrkamp 1986)

Aus: HAB DEN DER DIE DAS, Erika Kronabitter (Hrsg.): Der Königin der Poesie,
Friederike Mayröcker zum 90. Geburtstag, Edition Art Science, St. Wolfgang, 2014 (ISBN 978-3902864-41-3)

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