Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

Im Auge des Sturms

Über allen Wegen mich zu fragen, ob die Erde weich ist
zu versinken. Farben helfen den Gebärden in ein sanftes,
kleines Areal der Freude. Niemals warten auf die trübe
Zukunft, niemals scheitern im Gelingen, weil es wahr ist,

dass die Menschen Lieder über ihre Schwächen mögen.
Oder warten auf ein neues Singen. Arbeit wünschen.
Mein Verhältnis zu Maschinen. Ohne Angst die Hände
waschen. Schaukeln. Auf begehrte Schultern Mäntel

legen, so als wäre dieser Welt mit Wärme beizukommen.
Vor dem Haus den Garten pflegen, heimlich Pfauen
züchten zwischen abgedunkelten Volieren. Aus der Armut
mich zu retten in die Gletscherspalten von Gebirgen.

Wann spricht Wasser über Herkunft? Wäscht es Salze
aus den Linien? Oder Leiden als Erkenntnis und darin
den Atem zählen. Dünne Katzen zu begraben, statt sie
menschlich zu beweinen – Das ist Größe? Das ist

ein Versuch zu klären. Dringend leuchten. Manchmal?
Immer. Stufen einer Leiter überspringen, trotzig
mich im Schweben querzustellen, wie die Schiffe,
die im Hafen ihr Gehäuse selbst zum Rosten bringen.

Zwei Gedanken – Sind Metalle bloß Zitate von Fabriken?
Wie ist Fülle zu verstehen, wenn die eingesperrten Tiere
sich bei kleinsten Beben an die Gitter der Gehege krallen
ohne Hoffnung? Trinke Wasser, schlucke Wellen,

esse Gräber, nähre Wiesen. Sieben Edelsteine wollen
ihre Erstbesitzer wechseln. Sieben Erze warten
ungeduldig auf Motoren. Meine Augen – Kippfiguren,
Kreise, die mich stets zu Boden drücken, spitzes

Werkzeug eines Dummen. Nächtelang im Bett gelegen,
wach in Träumen eingeschlafen. In ein Zimmer voller
Pflanzen stumm ein Klagelied gesprochen. Dieses feine,
schrille Kreischen von Grafit auf einer Tafel, diese Demut

von Versehrten, wenn sie ihre Wunden zeigen. Einsam
leben. Jeden Sonntag mit ein wenig Pelz den Horizont
erweitern. Schauen. Ungetrübt im Spiegel den Moment
erkennen, der aufträgt, klar und eigen, mich zu verneigen.
 

unveröffentlicht, 2020

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