Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

Gebet

Nur da wo du bist  da ist nichts
Inmitten all des Vielen was sich aneinander drängt
Nur da wo du bist  da ist nichts
 
Und ich, ich falle wie - eine Schneeflocke
 
Und ich blicke und starre
und immer ferner rückts dem Blick
 
ein Punkt
 
auch der schon weg
 
ah eh uh ah eh uh
wiederholen die Götter im Sumpf
Weiße ausgedörrte Zungenspitzen haben sie
Das Lied verliert sein Lied
Nicht einmal das Versinken gelingt mehr
nur wiederholen und
wieder wiederholen
 
und dann
 
kommt es nah
zuerst wie Körperwärme
dann wie Blick
kommt es nah
 
wir sollten gar nicht sein
und werden wiedergeboren in einem Blinzeln
und in einem Blinzeln gebären wir den Vogel
der steigt dann auf
und breitet die Schwingen
hinter seinem Ohrläppchen
 
Wasser
flute auf inmitten des Wortes  Wasser
Bambus
durch das Wort  Bambus  hindurch
wachse bis in mein Lied

Aus: nur do wo du bist da ist nichts. Tübingen: Konkursbuch Verlag, 3. Auflage 1997
Lesart: Kein Makkaronisch von Klaus Martens

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